Rechtssicherheit · Schweiz

EMS und HI-EMT in der Schweiz: Wer darf behandeln?

EMS-Body-Sculpting mit HI-EMT löst über ein gepulstes elektromagnetisches Feld supramaximale Muskelkontraktionen aus, mit einer Eindringtiefe von etwa sieben Zentimetern. Die Schweiz beurteilt es nicht nach der Technik, sondern nach dem angebotenen Ziel: Als reiner Muskelaufbau fällt es nicht unter die V-NISSG, sobald dieselbe Maschine als Umfangs- oder Fettreduktion angeboten wird, greift der Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster. Einen Arztvorbehalt gibt es nicht.

Diese Seite ordnet das Verfahren für Betreiber:innen ein: den Rechtsrahmen, welche Bezeichnungen den Sachkundenachweis auslösen, die Pflichten im laufenden Betrieb, die strikte Trennung von Körper und Gesicht und die Folgen eines Verstoßes.

Antwort

Dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz EMS-Body-Sculpting anbieten?

Ja, ohne Arzt. Wie viel dafür nötig ist, entscheidet das Behandlungsziel: Als reiner Muskelaufbau fällt HI-EMT nicht unter die V-NISSG und ist sachkundenachweisfrei. Sobald dieselbe Maschine als Umfangs- oder Fettreduktion angeboten wird, greift der Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster.

Betreiberrecht des EMS-Body-Sculptings in der Schweiz auf einen Blick
Wer darf behandelnKosmetiker:innen und Fitnessbetriebe, ohne Arzt. Für das Ziel Muskelaufbau auch ohne Sachkundenachweis
Was dafür nötig istFür die Umfangs- und Fettreduktion Modul Grundlagen, Modul Technologien und das BKF-Zertifikat Cellulite und Fettpolster, dazu ein nach MepV verkehrsfähiges Gerät
Wo die Erlaubnis endetBei der Gesichtsanwendung, für die ein eigener Sachkundenachweis gilt, und bei der Behandlung eines Krankheitsbildes
Maßgebliches RechtNISSG und V-NISSG mit Art. 5 und Anhang 2, BAG-Vollzugshilfe Fassung August 2025, MepV (SR 812.213), Durchführungsverordnung (EU) 2022/2346

Die Schweiz ist damit das einzige der drei Länder, in dem dieselbe Behandlung je nach Formulierung des Angebots erfasst ist oder nicht. In Deutschland verlangt § 7 Abs. 1 NiSV in jedem Fall das Modul EMF-Stimulation und eine Übungsleiter- oder Trainer-C-Lizenz, in Österreich genügt die Gewerbeberechtigung Kosmetik ohne Zusatznachweis.

Rechtsrahmen

Warum entscheidet in der Schweiz das Behandlungsziel?

Weil Art. 5 Abs. 1 V-NISSG nicht an die Leistung des Geräts anknüpft, sondern an die Behandlungen nach Anhang 2. Das ist der für die Praxis entscheidende Satz, und bei diesem Verfahren wirkt er besonders deutlich, denn die Technik bleibt in beiden Fällen dieselbe.

Wie die V-NISSG HI-EMT je nach Behandlungsziel einordnet
Angebotenes ZielRechtsfolge
Muskelaufbau und MuskelstraffungNicht von der V-NISSG erfasst. Kein Sachkundenachweis, auch für Quereinsteiger:innen zulässig
Umfangsreduktion, Cellulite, FettpolsterSN Cellulite und Fettpolster. Die BAG-Vollzugshilfe zum 2. Abschnitt der V-NISSG in der Fassung August 2025 führt unter dieser Kategorie ausdrücklich auch die Niederfrequenz, und Anhang B.1 zählt niederfrequente elektromagnetische Strahlung zu den erfassten Produkten
Kombination mit Radiofrequenz auf eine HautindikationZusätzlich SN Haut und Pigmentierung, sobald eine Indikation nach Anhang 2 Ziffer 1.1 behandelt wird

Die frühere pauschale Aussage, EMS sei vollständig sachkundenachweisfrei, galt nur für das muskuläre Ziel und ist damit zu präzisieren. Maßgeblich ist, was im Behandlungsmenü, in der Werbung und in der Dokumentation steht, denn dort wird die Einordnung im Vollzug gelesen.

Einen Arztvorbehalt gibt es nicht. Die Behandlung ist nicht invasiv, bricht die Hautbarriere nicht und denaturiert kein Gewebe thermisch, solange sie nicht mit einer Erwärmung des Fettgewebes kombiniert wird.

Sachkunde

Welcher Sachkundenachweis gilt für die Körperanwendung?

Der Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster. Er ist dreistufig aufgebaut und wird über die vom Bundesamt für Gesundheit anerkannten Prüfungsstellen abgelegt.

Aufbau des Sachkundenachweises Cellulite und Fettpolster
StufeInhalt
Modul GrundlagenAnatomie, Pathophysiologie und dermatologische Basisdiagnostik, also die Unterscheidung gutartiger von bösartigen Läsionen und die rechtzeitige Überweisung
Modul TechnologienGeräte- und Strahlenphysik einschließlich Niederfrequenz, Radiofrequenz und Ultraschall
BKF Cellulite und FettpolsterDas behandlungsspezifische Zertifikat für Umfangsreduktion und Straffung. Die Vollzugshilfe führt darunter Lipolaser mit 1060 Nanometern, Radiofrequenz, Niederfrequenz, Ultraschall, Stosswelle und Kryolipolyse
AnrechnungEin Schweizer EFZ, eine FA oder eine HFP verkürzen die Grundlagen. Die BKF-Praxismodule bleiben für alle vollständig verpflichtend

Ausländische Zertifikate und Gerätelizenzen von Herstellern werden vom Bundesamt für Gesundheit nicht anerkannt. Eine Schulung, die beim Gerätekauf mitgeliefert wird, ersetzt den Sachkundenachweis also nicht.

Betreiberpflichten

Welche Pflichten gelten im laufenden Betrieb?

Dass für das muskuläre Ziel kein Sachkundenachweis nötig ist, bedeutet nicht, dass keine Pflichten bestehen. Sie verlagern sich auf das Gerät, die Aufnahme und die Dokumentation.

Betreiberpflichten für den HI-EMT-Betrieb in der Schweiz
PflichtWas verlangt wird
GerätVerkehrsfähigkeit nach MepV unter der Aufsicht von Swissmedic, mit Konformitätsunterlagen und Gebrauchsanweisung im Betrieb
Gegenanzeigen und WarnhinweiseAnhang V der Durchführungsverordnung (EU) 2022/2346 enthält eine verbindliche Gegenanzeigenliste, einen Warnhinweis gegen die Erwartung einer Gewichtsreduktion sowie Warnungen für Leber und Herz-Kreislauf-System
Kantonale VorgabenHygiene-, Bewilligungs- und Dokumentationsvorgaben für Kosmetikbetriebe, die je Kanton abweichen
Anamnese und AufklärungVor der ersten Sitzung sind Kontraindikationen auszuschließen und über Wirkung, Grenzen und realistische Ergebnisse aufzuklären, mit dokumentierter Einwilligung
DokumentationBehandlungsdokumentation mit Intensität, Zonen und Dauer. Gesundheitsdaten unterliegen dem DSG

Die Anamnese entscheidet bei diesem Verfahren über mehr als die Verträglichkeit, denn die Kontraindikationen sind elektrisch, materialbezogen und zeitlich: elektronische Implantate wie Herzschrittmacher und Defibrillatoren, Metallimplantate im Feld, ein Kupfer-Intrauterinpessar, Schwangerschaft, Hernien, Frakturen und Muskelrisse schließen die Behandlung aus. Dazu kommen Karenzfenster nach Operationen von drei bis sechs Monaten, nach einem Kaiserschnitt von sechs bis neun Monaten und nach Hernien- oder Stentversorgung von sechs Monaten, sowie das Abbruchkriterium colafarbener Urin, das auf eine Rhabdomyolyse hinweist. In der Schweiz kommt eine zweite Funktion hinzu: Was im Bogen als Behandlungsziel steht, entscheidet darüber, ob ein Sachkundenachweis nötig ist. Welche Fragen das im Einzelnen bedeutet, führt der Anamnesebogen zum EMS-Sculpting Frage für Frage auf, jeweils mit der Angabe, ob die Antwort die Behandlung ausschließt, verschiebt oder nur das Protokoll ändert.

Grenze

Welche Bezeichnungen lösen den Sachkundenachweis aus?

Die BAG-Vollzugshilfe nennt für die Kategorie Cellulite und Fettpolster eine Reihe von Synonymen, und sie sind der praktisch wichtigste Teil dieser Seite, weil sie genau die Wörter sind, die in Behandlungsmenüs stehen.

Bezeichnungen, die den Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster auslösen
BereichBezeichnungen
SachkundenachweispflichtigFettverbrennung, Body Contouring, Body Shaping, Body forming, Fettabbau, Fettreduktion, Umfangsreduktion, Cellulite-Behandlung und Ultraschall-Kavitation
Nicht erfasstMuskelaufbau und Muskelstraffung als alleiniges Ziel, ohne Bezug auf Umfang oder Fett

Damit ist die Konsequenz klar: Wer sachkundenachweisfrei bleiben will, muss diese Beschränkung auch durchhalten, im Behandlungsmenü, auf der Website und in der Dokumentation. Ein Angebot, das im Menü Muskelaufbau heißt und in der Werbung Fettreduktion verspricht, wird nach der Werbung beurteilt.

Eine ehrliche Anmerkung zur Wirkung gehört dazu, weil sie dieselbe Grenze von der anderen Seite absichert: Die unabhängig ermittelte Effektgröße liegt bei etwa 5,5 Millimetern Fettdicke und 2,2 Millimetern Muskeldicke, und von vierzehn ausgewerteten Studien standen zwölf in Verbindung zum Hersteller.

Gesicht

Deckt der Körper-Sachkundenachweis auch das Gesicht ab?

Nein, und dieser Punkt ist teuer, wenn er übersehen wird. Die Schweiz trennt Körper und Gesicht über zwei rechtlich eigenständige BKF-Zertifikate.

EMS am Körper und im Gesicht in der Schweiz im Vergleich
AnwendungErforderlicher Sachkundenachweis
Körper mit dem Ziel MuskelaufbauKeiner. Die isolierte Niederfrequenz-Muskelstimulation fällt nicht unter die V-NISSG
Körper mit dem Ziel Umfangs- oder FettreduktionSN Cellulite und Fettpolster
Gesicht und HalsvorderseiteSN Haut und Pigmentierung, weil die Radiofrequenz dort eine Indikation nach Anhang 2 Ziffer 1.1 behandelt

Eine für den Körper zertifizierte Kosmetiker:in ist damit nicht automatisch für das artverwandte Gesichtsgerät legitimiert. Ohne die zweite Zertifizierung ist die Kreuzbehandlung unzulässig. Die vollständige Einordnung der Gesichtsanwendung zeigt EMS-Gesichtsbehandlung in der Schweiz.

Sanktionen

Was kostet ein Verstoß in der Schweiz?

Seit dem 1. Juni 2024, dem Ende der fünfjährigen Übergangsfrist, ist die Behandlung ohne den erforderlichen Sachkundenachweis ein Offizialdelikt. Die Behörden ermitteln von Amts wegen, es braucht keine Anzeige einer geschädigten Person. Möglich sind unangekündigte Inspektionen, die Beschlagnahme des Geräts und ein Strafverfahren.

Bei diesem Verfahren ist der Aufgriffspunkt besonders greifbar, denn geprüft wird nicht nur das Gerät, sondern das Behandlungsmenü. Dort steht, welches Ziel angeboten wird, und daraus folgt, ob ein Sachkundenachweis erforderlich war. Der zweite Aufgriffspunkt ist ein Gerät ohne MepV-Konformität, das unabhängig von der Qualifikation der anwendenden Person nicht betriebsfähig ist.

Verantwortung

Wer trägt die Verantwortung, KROND oder das Studio?

Die Einordnung des angebotenen Behandlungsziels und die Beachtung der kantonalen Vorgaben liegen in der alleinigen Verantwortung der Käufer:in beziehungsweise Betreiber:in. KROND liefert das Gerät, die rechtskonforme Anwendung obliegt dem Studio.

Aufteilung der Verantwortung zwischen KROND und dem Studio
BereichWer verantwortet ihn
GerätKROND liefert das CE-konforme Gerät mit Datenblatt, Konformitätsunterlagen und den Gegenanzeigen der Gebrauchsanweisung
BehandlungszielDas Studio legt fest, welches Ziel es anbietet, und hält diese Festlegung in Menü, Werbung und Dokumentation durch
SachkundenachweisDas Studio hält den SN Cellulite und Fettpolster vor, sobald es Umfangs- oder Fettreduktion anbietet
Kantonale BewilligungenDas Studio klärt und erfüllt die Bewilligungs- und Hygienevorgaben seines Kantons

Besteht Unklarheit über die Einordnung des eigenen Angebots, ist die zuständige kantonale Stelle vor der Inbetriebnahme zu konsultieren. Ihre Auskunft geht jeder allgemeinen Darstellung vor.

FAQ

Häufige Fragen zu EMS und HI-EMT in der Schweiz

Die Fragen, die Studiobetreiber:innen vor dem Kauf am häufigsten stellen, kurz beantwortet.

  • Dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz EMS-Body-Sculpting anbieten?

    Ja, ohne Arzt. Wie viel dafür nötig ist, entscheidet das Behandlungsziel: Als reiner Muskelaufbau fällt HI-EMT nicht unter die V-NISSG und ist sachkundenachweisfrei. Sobald dieselbe Maschine als Umfangs- oder Fettreduktion angeboten wird, greift der Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster.

  • Warum entscheidet in der Schweiz das Behandlungsziel und nicht die Technik?

    Weil Art. 5 Abs. 1 V-NISSG an die Behandlungen nach Anhang 2 anknüpft, nicht an eine Leistungsschwelle des Geräts. Die BAG-Vollzugshilfe zum 2. Abschnitt der V-NISSG in der Fassung August 2025 führt unter dem SN Cellulite und Fettpolster ausdrücklich auch die Niederfrequenz auf. Dieselbe Maschine ist damit je nach angebotenem Ziel erfasst oder nicht.

  • Welche Bezeichnungen lösen den Sachkundenachweis aus?

    Die BAG-Vollzugshilfe nennt als Synonyme der Kategorie Cellulite und Fettpolster unter anderem Fettverbrennung, Body Contouring, Body Shaping, Body forming, Fettabbau, Fettreduktion und Ultraschall-Kavitation. Wer eine dieser Bezeichnungen im Behandlungsmenü führt, bietet eine erfasste Behandlung an und braucht den entsprechenden Sachkundenachweis.

  • Deckt der Körper-Sachkundenachweis auch die Gesichtsanwendung ab?

    Nein. Für das Gesicht gilt der rechtlich eigenständige Sachkundenachweis Haut und Pigmentierung mit eigenem BKF-Modul. Wer nur für den Körper zertifiziert ist, darf das artverwandte Gesichtsgerät nicht einsetzen. Ohne Doppelzertifizierung ist die Kreuzbehandlung unzulässig.

  • Welche Kontraindikationen sind bei HI-EMT verbindlich?

    Anhang V der Durchführungsverordnung (EU) 2022/2346 enthält eine verbindliche Gegenanzeigenliste für Muskelstimulationsgeräte, dazu einen Warnhinweis gegen die Erwartung einer Gewichtsreduktion sowie Warnungen für Leber und Herz-Kreislauf-System. Auszuschließen sind elektronische und metallische Implantate im Feld, ein Kupfer-Intrauterinpessar, Schwangerschaft, Hernien, kürzliche Operationen und Frakturen.

  • Was kostet ein Verstoß beim EMS-Body-Sculpting in der Schweiz?

    Seit dem 1. Juni 2024 ist die Behandlung ohne den erforderlichen Sachkundenachweis ein Offizialdelikt: die Behörden ermitteln von Amts wegen, ohne Anzeige. Möglich sind unangekündigte Inspektionen, die Beschlagnahme des Geräts und ein Strafverfahren. Geprüft wird dabei das Behandlungsmenü, denn dort steht, welches Ziel angeboten wird.

Quellen

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand: September 2026. Zusammenfassung der internen KROND-Regulatorikanalyse für die Schweiz (NISSG · V-NISSG Art. 5 und Anhang 2 · BAG-Vollzugshilfe Fassung August 2025 einschließlich Anhang B.1 · MepV · Durchführungsverordnung (EU) 2022/2346 Anhang V).

Diese Seite dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die Auskunft der zuständigen kantonalen Vollzugsstelle.

Die Einordnung der übrigen Verfahren und Länder zeigt Rechtssicherheit & Betreiberrecht.