Rechtssicherheit · Schweiz

Laser-Haarentfernung in der Schweiz: Wer darf behandeln?

Die Diodenlaser-Haarentfernung dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz eigenständig anbieten, mit dem Sachkundenachweis Haarentfernung mit Laser nach V-NISSG. Die Schweiz arbeitet mit einem dualen System: Die V-NISSG des Bundesamts für Gesundheit regelt die Energieemission, die MepV von Swissmedic das Gerät und die Gewebeinvasion. Der Sachkundenachweis ist seit dem 1. Juni 2024 verpflichtend.

Diese Seite ordnet das Verfahren für Betreiber:innen ein: den Rechtsrahmen, die Sachkunde, die Pflichten im laufenden Betrieb, die Grenzen bei Naevi, Augennähe und Tattooentfernung sowie die Folgen eines Verstoßes.

Antwort

Dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz Laser-Haarentfernung anbieten?

Ja, eigenständig und ohne Arzt, mit dem Sachkundenachweis Haarentfernung mit Laser nach V-NISSG. Das Gerät muss ein CE-Kennzeichen mit der Nummer einer benannten Stelle tragen, um nach MepV verkehrsfähig zu sein. Behandlungen in Augennähe bis zehn Millimeter und auf melanozytären Naevi bleiben ausgeschlossen.

Betreiberrecht der Laser-Haarentfernung in der Schweiz auf einen Blick
Wer darf behandelnKosmetiker:innen eigenständig, ohne Arzt und ohne Delegation
Was dafür nötig istModul Grundlagen, Modul Technologien und das BKF-Zertifikat Haarentfernung mit Laser, dazu ein nach MepV verkehrsfähiges Gerät
Wo die Erlaubnis endetMelanozytäre Naevi und pigmentierte Läsionen, Augenlider und die Zone bis zehn Millimeter zum Auge, Tattoo- und PMU-Entfernung, HIFU
Maßgebliches RechtNISSG (SR 814.71), V-NISSG (SR 814.711) mit Art. 5, Art. 6 und Anhang 2, MepV (SR 812.213), kantonales Gesundheitsrecht

Die Schweiz geht damit denselben Weg wie Deutschland, wo der Fachkundenachweis Optische Strahlung über 120 Lerneinheiten verlangt wird. Österreich regelt dieselbe Behandlung dagegen nicht über den Strahlenschutz, sondern über ein eigenes Teilgewerbe der Gewerbeordnung.

Rechtsrahmen

Unter welches Recht fällt die Laser-Haarentfernung in der Schweiz?

Die Schweiz beurteilt jedes ästhetische Gerät auf zwei voneinander unabhängigen Achsen, nie allein nach seinem Namen. Die V-NISSG regelt, welche Energie abgegeben wird, und verlangt für die riskanten kosmetischen Anwendungen den Sachkundenachweis. Die MepV regelt Gewebeinvasion und Zweckbestimmung und erklärt bestimmte Geräte zu Medizinprodukten, die nur mit einem CE-Kennzeichen samt der Nummer einer benannten Stelle in Verkehr gebracht werden dürfen.

Auf der V-NISSG-Achse zerfallen die Behandlungen in drei Kategorien, und jede Anwendung ist genau einer davon zuzuordnen.

Die drei Kategorien der V-NISSG
KategorieBedeutung und Beispiele
SachkundenachweispflichtigAnhang 2 Ziffer 1: Kosmetiker:innen dürfen behandeln, sobald sie das passende BKF-Zertifikat halten. Dazu zählt die optische Haarentfernung mit Laser und mit IPL
Nur ärztlichAnhang 2 Ziffer 2: ablative Laser, hoch fokussierter Ultraschall und die dort gelisteten Diagnosen. Nach Art. 5 Abs. 2 ist der Sachkundepfad hier bewusst nicht vorgesehen, kein Zertifikat öffnet ihn
Generell verbotenArt. 6: die Tattoo- und PMU-Entfernung mit IPL, ausnahmslos und für alle, auch für Ärzt:innen

Die Haarentfernung mit dem Diodenlaser liegt eindeutig in der ersten Kategorie. Daneben gilt eine topographische Schranke, die unabhängig von der Kategorie greift: Jede Gerätebehandlung an den Augenlidern oder innerhalb von zehn Millimetern zum Auge ist Kosmetiker:innen untersagt, weil Streustrahlung Netzhaut und Hornhaut erreichen kann. Die Augenbrauen gelten dabei als außerhalb dieser Zone.

Sachkunde

Welchen Sachkundenachweis brauchen Kosmetiker:innen?

Der Sachkundenachweis ist dreistufig aufgebaut und wird über die vom BAG anerkannten Prüfungsstellen abgelegt. Für den Diodenlaser zählt von den sieben BKF-Zertifikaten das Zertifikat Haarentfernung mit Laser. Wer zusätzlich mit IPL arbeitet, braucht das gesonderte Zertifikat Haarentfernung mit IPL.

Aufbau des Sachkundenachweises für die Laser-Haarentfernung in der Schweiz
StufeInhalt
Modul GrundlagenAnatomie von Haut, Follikel, Gefäß und Nagel, Pathophysiologie und dermatologische Basisdiagnostik, also die Unterscheidung gutartiger von bösartigen Läsionen und die rechtzeitige Überweisung
Modul TechnologienGeräte- und Laserphysik: Wellenlängen, Chromophorabsorption an Melanin, Hämoglobin und Wasser, Laserklassen nach SN EN 60825-1, IPL-Risikogruppen nach SN EN 62471 und optischer Strahlenschutz
BKF Haarentfernung mit LaserDas behandlungsspezifische Zertifikat für die Follikel-Photothermolyse mit Diode und Nd:YAG
AnrechnungBranchenfremde Quereinsteiger:innen absolvieren Grundlagen und Technologien vollständig. Ein Schweizer EFZ, eine FA oder eine HFP verkürzen die Grundlagen, die BKF-Praxismodule bleiben für alle vollständig verpflichtend

Ein Punkt wird beim Einkauf regelmäßig übersehen: Ausländische Zertifikate, EU-Laserschutzkurse und Gerätelizenzen von Herstellern werden vom BAG nicht anerkannt. Eine Schulung, die beim Gerätekauf mitgeliefert wird, ersetzt den Sachkundenachweis in keinem Fall.

Betreiberpflichten

Welche Pflichten gelten im laufenden Betrieb?

Der Sachkundenachweis betrifft die Person. Unabhängig davon bestehen Pflichten für das Gerät, den Betrieb und die Aufnahme der Kund:in.

Betreiberpflichten für den Laserbetrieb in der Schweiz
PflichtWas verlangt wird
SachkundeSeit dem 1. Juni 2024 dürfen Behandlungen nach Anhang 2 Ziffer 1 nur mit dem passenden Sachkundenachweis erbracht werden, der auf Verlangen vorzuweisen ist
GerätEin gültiges CE-Kennzeichen mit der Nummer einer benannten Stelle nach MepV, mit Konformitätsunterlagen und Gebrauchsanweisung im Betrieb
Anamnese und EinwilligungDas BAG verlangt für kosmetische Laser- und IPL-Behandlungen ausdrücklich ein Anamneseformular und eine informierte Einwilligung
Kantonale VorgabenHygiene-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten nach den kantonalen Vollzugshilfen, die je Kanton abweichen

Die Anamnese ist in der Schweiz also nicht nur eine Sorgfaltspflicht, sondern eine ausdrückliche Vorgabe der Bundesbehörde, und sie trägt hier mehr Gewicht als anderswo: Das BAG nennt die Fitzpatrick-Typen 4 bis 6 als Kontraindikation, strenger als die deutsche und österreichische Praxis, die Typ IV noch mit angepasster Wellenlänge zulässt. Dazu kommen Schwangerschaft und Stillzeit, kürzliche Sonnenexposition, lichtempfindliche Erkrankungen, verdächtige Muttermale, Hautkrebs in der Vorgeschichte, photosensibilisierende Medikamente, Blutungsneigung und Anfallsneigung. Welche Fragen das im Einzelnen bedeutet, führt der Anamnesebogen zur Laser-Haarentfernung Frage für Frage auf, jeweils mit der Angabe, ob die Antwort die Behandlung ausschließt, verschiebt oder nur die Geräteeinstellung ändert.

Grenze

Welche Grenzen gelten auch mit dem Sachkundenachweis?

Das Zertifikat erlaubt die Haarentfernung, nicht das Gerät. Vier Grenzen bleiben bestehen, und eine davon gilt sogar für Ärzt:innen.

Grenzen der Laser-Haarentfernung in der Schweiz
GrenzeRechtsfolge
Melanozytäre Naevi und pigmentierte LäsionenKosmetiker:innen dürfen weder pigmentierte Läsionen behandeln noch Haare auf einem Muttermal lasern. Der Grund ist die Gefahr eines Pseudomelanoms, das eine spätere Diagnose verschleiert. Für Ärzt:innen ist diese Anwendung zulässig
Augenlider und Zone bis zehn Millimeter zum AugeJede Gerätebehandlung dort ist Kosmetiker:innen streng untersagt und bleibt ärztlich
Tattoo- und PMU-EntfernungMit IPL nach Art. 6 V-NISSG für alle verboten, auch für Ärzt:innen. Mit Q-switched-Laser zulässig, aber nur mit dem gesonderten BKF-Zertifikat Permanent-Make-up und Tattoo und nicht am Augenlid oder innerhalb von zehn Millimetern zum Auge
HIFUNach Anhang 2 Ziffer 2.3 lit. a absolut arztreserviert. Art. 5 Abs. 2 nennt den Sachkundepfad für diese Kategorie bewusst nicht, kein Zertifikat öffnet ihn

Im Alltag trennt die Anamnese diese Fälle. Liegt im Behandlungsfeld ein Muttermal, eine Gefäßläsion, ein Tattoo oder ein Permanent-Make-up, wird diese Stelle ausgespart und ärztlich abgeklärt, während die übrige Fläche regulär behandelt wird. Für diese ärztlichen Anwendungen führt KROND keinen eigenen Anamnesebogen, weil sie nicht im Kosmetikgewerbe liegen.

Delegation

Darf eine Ärztin eine arztreservierte Behandlung delegieren?

Nur unter Bedingungen, die in der Schweiz besonders eng gefasst sind. Die Ärzt:in muss die volle medizinische, zivil- und strafrechtliche Verantwortung tragen und für die Akutintervention physisch im selben Gebäude anwesend sein, etwa bei Anaphylaxie, schwerer Verbrennung, Gefäßverschluss oder plötzlicher Erblindung.

Eine Fernüberwachung per Telefon, E-Mail, Messenger oder Video ist rechtlich unzureichend, ebenso die bloße Erreichbarkeit oder eine Fahrt von wenigen Minuten. Eine selbstständige Einmieterin, die einen Raum in einer Arztpraxis mietet, ist von der Delegationsklausel nicht gedeckt und muss alle Kosmetikregeln ungeschützt erfüllen.

Sanktionen

Was kostet ein Verstoß in der Schweiz?

Seit dem 1. Juni 2024 ist die Behandlung ohne den erforderlichen Sachkundenachweis ein Offizialdelikt. Die Behörden ermitteln von Amts wegen, es braucht keine Anzeige einer geschädigten Person. Möglich sind unangekündigte Inspektionen, die Beschlagnahme des Geräts und ein Strafverfahren.

Der zweite Aufgriffspunkt liegt beim Gerät. Wer einen Import ohne gültige CE-Konformität nach MepV betreibt, verstößt unabhängig von der eigenen Qualifikation. Beides wird in derselben Kontrolle geprüft, zuständig sind die kantonalen Vollzugsstellen mit erweiterten Befugnissen.

Verantwortung

Wer trägt die Verantwortung, KROND oder das Studio?

Die gesetzliche Qualifikation nachzuweisen liegt in der alleinigen Verantwortung der Käufer:in beziehungsweise Betreiber:in. KROND liefert das Gerät, die rechtskonforme Anwendung obliegt dem Studio.

Aufteilung der Verantwortung zwischen KROND und dem Studio
BereichWer verantwortet ihn
GerätKROND liefert das Gerät mit CE-Kennzeichen, der Nummer einer benannten Stelle und den Konformitätsunterlagen
SachkundenachweisDas Studio stellt den Sachkundenachweis der anwendenden Person sicher
Kantonale PflichtenDas Studio beachtet die Hygiene-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten seines Kantons
ArztvorbehaltDas Studio prüft vor jeder Behandlung, ob Naevi, Augennähe oder eine arztreservierte Indikation im Spiel sind

Vor dem Kauf und vor jeder Inbetriebnahme ist eigenverantwortlich zu prüfen, ob die anwendende Person über den in der Schweiz vorgeschriebenen Sachkundenachweis verfügt. KROND erfragt ihn vor dem Vertragsabschluss.

FAQ

Häufige Fragen zur Laser-Haarentfernung in der Schweiz

Die Fragen, die Studiobetreiber:innen vor dem Kauf am häufigsten stellen, kurz beantwortet.

  • Dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz Laser-Haarentfernung anbieten?

    Ja, eigenständig und ohne Arzt, mit dem Sachkundenachweis Haarentfernung mit Laser nach V-NISSG. Das Gerät muss ein CE-Kennzeichen mit der Nummer einer benannten Stelle tragen, um nach MepV verkehrsfähig zu sein. Behandlungen in Augennähe bis zehn Millimeter und auf melanozytären Naevi bleiben ausgeschlossen.

  • Seit wann ist der Sachkundenachweis in der Schweiz Pflicht?

    Seit dem 1. Juni 2024, dem Ende der fünfjährigen Übergangsfrist nach dem Inkrafttreten von NISSG und V-NISSG am 1. Juni 2019. Seither ist der Betrieb ohne den passenden Sachkundenachweis ein Offizialdelikt, das unangekündigte Inspektionen, die Beschlagnahme des Geräts und ein Strafverfahren nach sich ziehen kann.

  • Woraus besteht der Sachkundenachweis Haarentfernung mit Laser?

    Aus drei Stufen: dem Modul Grundlagen mit Anatomie, Pathophysiologie und dermatologischer Basisdiagnostik, dem Modul Technologien mit Geräte- und Laserphysik sowie dem behandlungsspezifischen BKF-Zertifikat Haarentfernung mit Laser. Inhaber:innen eines Schweizer EFZ, einer FA oder einer HFP erhalten verkürzte Grundlagen, die BKF-Praxismodule bleiben für alle vollständig verpflichtend.

  • Welche Anforderungen stellt die MepV an das Lasergerät?

    Das Gerät muss ein gültiges CE-Kennzeichen mit der Nummer einer benannten Stelle tragen, um in der Schweiz in Verkehr gebracht und betrieben werden zu dürfen. KROND liefert das Gerät mit den Konformitätsunterlagen, die MepV-Konformität im Betrieb stellt das Studio sicher.

  • Darf ich in der Schweiz Tattoos oder Permanent-Make-up entfernen?

    Mit IPL nicht, und zwar für niemanden: Art. 6 V-NISSG verbietet die Tattoo- und PMU-Entfernung mit IPL ausnahmslos, auch Ärzt:innen. Mit einem Q-switched-Laser ist sie möglich, verlangt aber das gesonderte BKF-Zertifikat Permanent-Make-up und Tattoo, und Augenlider sowie die Zone bis zehn Millimeter zum Auge bleiben ausgenommen.

  • Welche Grenzen gelten auch mit dem Sachkundenachweis?

    Drei. Haare auf melanozytären Naevi und pigmentierte Läsionen dürfen Kosmetiker:innen nicht lasern, weil ein Pseudomelanom die Diagnose verschleiern kann. Jede Gerätebehandlung an den Augenlidern oder innerhalb von zehn Millimetern zum Auge ist ärztlich. Und HIFU ist nach Anhang 2 Ziffer 2.3 der V-NISSG absolut arztreserviert, kein Sachkundenachweis öffnet diesen Weg.

Quellen

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand: September 2026. Zusammenfassung der internen KROND-Regulatorikanalyse für die Schweiz (NISSG · V-NISSG Art. 5, Art. 6 und Anhang 2 · MepV · BAG-Vollzugshilfe Fassung August 2025).

Diese Seite dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die Auskunft der zuständigen kantonalen Vollzugsstelle.

Die Einordnung der übrigen Verfahren und Länder zeigt Rechtssicherheit & Betreiberrecht.