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Kryolipolyse in der Schweiz: Wer darf behandeln?

In der Schweiz dürfen Kosmetiker:innen die Kryolipolyse anbieten, mit dem Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster und einem MepV-konformen Gerät. Beurteilt wird das Verfahren über ein duales System: die V-NISSG für die abgegebene Energie und die MepV für Gewebeinvasion und Zweckbestimmung. Damit steht die Schweiz näher bei Österreich als bei Deutschland, wo die Kryolipolyse Kosmetiker:innen untersagt ist.

Diese Seite ordnet das Verfahren für Betreiber:innen ein: den Rechtsrahmen, den Sachkundenachweis samt Modulpfad, die Pflichten im laufenden Betrieb, die Grenze zur ärztlichen Behandlung und die Folgen eines Verstoßes.

Antwort

Dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz Kryolipolyse anbieten?

Ja, mit dem Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster und einem MepV-konformen Gerät. Beides muss zusammenkommen: Der Sachkundenachweis betrifft die anwendende Person, die MepV-Konformität das Gerät. Seit dem Ende der Übergangsfrist am 1. Juni 2024 ist die Anwendung ohne Sachkundenachweis illegal und strafbar.

Betreiberrecht der Kryolipolyse in der Schweiz auf einen Blick
Wer darf behandelnKosmetiker:innen mit Sachkundenachweis, kein Arztvorbehalt für die nicht-invasive Anwendung
Was dafür nötig istSachkundenachweis Cellulite und Fettpolster sowie ein Gerät mit CE-Kennzeichen und der Nummer einer benannten Stelle
Wo die Erlaubnis endetInvasive Fettreduktion: Liposuktion, Laser-Lipolyse mit eingeführter Faser, Injektions-Lipolyse
Maßgebliches RechtNISSG und V-NISSG (BAG), MepV Anhang 6 (Swissmedic), kantonale Vollzugshilfen

Die Einordnung unterscheidet sich deutlich von Deutschland. Dort ist die Kryolipolyse zwar ebenfalls nicht strahlenschutzpflichtig, gilt aber als Heilkunde und ist reinen Kosmetiker:innen untersagt. In Österreich ist sie im Kosmetikgewerbe zulässig, allerdings nur mit der vollen Gewerbeberechtigung.

Rechtsrahmen

Nach welchem Recht wird Kryolipolyse in der Schweiz beurteilt?

Die Schweiz betreibt ein duales System auf zwei voneinander unabhängigen Achsen. Die V-NISSG unter dem Bundesamt für Gesundheit regelt die physikalische Energieemission und den Sachkundenachweis. Die MepV unter Swissmedic regelt Gewebeinvasion und Zweckbestimmung und damit das Gerät als Medizinprodukt. Ein Gerät wird von beiden beurteilt, nie allein nach seinem Namen.

Die beiden Säulen des schweizerischen Systems
SäuleWas sie regelt
V-NISSG, Bundesamt für GesundheitDie abgegebene Energie und die Qualifikation der anwendenden Person. Verpflichtend seit dem Ende der fünfjährigen Übergangsfrist am 1. Juni 2024
MepV, SwissmedicGewebeinvasion und Zweckbestimmung, die Einstufung des Geräts als Medizinprodukt und dessen Verkehrsfähigkeit

Für die Kryolipolyse greifen beide Säulen. Auf der Personenseite verlangt die V-NISSG den Sachkundenachweis, auf der Geräteseite verlangt die MepV das CE-Kennzeichen einer benannten Stelle. Wer nur eine der beiden Bedingungen erfüllt, betreibt nicht rechtmäßig.

Qualifikation

Welchen Sachkundenachweis brauchen Kosmetiker:innen?

Den Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster. Die BAG-Vollzugshilfe zum 2. Abschnitt der V-NISSG in der Fassung August 2025 führt unter diesem Nachweis ausdrücklich die Kryolipolyse auf, neben Lipolaser mit 1060 nm, Radiofrequenz, Niederfrequenz, Ultraschall und Stosswelle. Als Synonyme nennt dieselbe Zeile Fettreduktion, Fettabbau, Body Contouring und Body Shaping, gleich unter welchem Namen die Behandlung angeboten wird.

Ausbildungspfad zum Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster
BausteinInhalt
Modul GrundlagenAnatomie von Haut, Follikel, Gefäßen und Nägeln, Pathophysiologie und dermatologische Basisdiagnostik, um gutartige von bösartigen Läsionen zu unterscheiden und rechtzeitig zu überweisen
Modul TechnologienGeräte- und Energiephysik, Risikoklassen und Schutzvorgaben der einschlägigen Normen
Kernfachmodul Cellulite und FettpolsterDas berufsspezifische Praxismodul, separat geprüft. Es deckt Umfangsreduktion und Straffung ab, ausdrücklich einschließlich der Kryolipolyse
AnrechnungInhaber:innen eines schweizerischen EFZ, FA oder HFP erhalten ein verkürztes Grundlagenmodul. Die Praxismodule bleiben für alle vollständig verpflichtend
Keine AnerkennungAusländische Zertifikate, EU-Laserschutzkurse und Gerätelizenzen von Herstellern werden vom BAG nicht anerkannt. Der Nachweis ist in der Schweiz zu erwerben

Der Sachkundenachweis ist an die Behandlung gebunden, nicht an die Maschine. Wird dieselbe Maschine für die Gesichtsbehandlung eingesetzt, greift der davon getrennte Sachkundenachweis Haut und Pigmentierung. Ein Nachweis ersetzt den anderen nicht.

Betreiberpflichten

Welche Pflichten gelten im laufenden Betrieb?

Der Sachkundenachweis erlaubt die Behandlung, er ersetzt aber keine der laufenden Pflichten. Vier Bereiche sind verbindlich und werden bei einer Inspektion geprüft.

Betreiberpflichten für die Kryolipolyse in der Schweiz
PflichtWas verlangt wird
GerätNur MepV-konforme Geräte mit CE-Kennzeichen und der vierstelligen Nummer einer benannten Stelle, dazu die MepV-Betreiberpflichten
FrostschutzFrostschutzmembranen bei jeder Behandlung, um Kälteverbrennungen bis zum dritten Grad zu verhindern
Anamnese, Screening und AufklärungVor der Behandlung ist auf die paradoxe Adipozytenhyperplasie zu screenen und über sie aufzuklären, ebenso über die übrigen Kontraindikationen. Die Einwilligung ist zu dokumentieren
Hygiene und DokumentationKantonale Hygiene-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten. Gesundheitsdaten unterliegen dem Datenschutzgesetz

Die Anamnese ist bei der Kryolipolyse nicht nur eine Formalie, sondern das Dokument, das die Aufklärung über die PAH trägt und im Streitfall die Sorgfalt belegt. Welche Fragen sie abdecken muss, von Kälteagglutininkrankheit, Kryoglobulinämie und paroxysmaler Kältehämoglobinurie über Hernien im Behandlungsfeld und Schwangerschaft bis zu Leber- und Nierenerkrankungen, führt der Anamnesebogen zur Kryolipolyse Frage für Frage auf, jeweils mit der Angabe, ob die Antwort die Behandlung ausschließt, verschiebt oder nur die Einstellung ändert.

Grenze

Wo endet die kosmetische Kryolipolyse?

Die nicht-invasive Kryolipolyse über die intakte Haut ist mit dem Sachkundenachweis gestattet. Die invasive Fettreduktion bleibt ausschließlich arztreserviert, unabhängig von jeder kosmetischen Qualifikation.

Arztreservierte Verfahren der Fettreduktion in der Schweiz
VerfahrenEinordnung
Chirurgische LiposuktionStreng und ausschließlich Ärzt:innen vorbehalten
Laser-LipolyseMit einer ins Fettgewebe eingeführten Faser, damit invasiv und ärztlich
Injektions-LipolyseMit Desoxycholsäure, damit pharmakologisch und ärztlich

Auch der hochintensive fokussierte Ultraschall zur Fettreduktion bleibt in der Schweiz arztreserviert, obwohl die Indikation Cellulite und Fettpolster für Kosmetiker:innen zugänglich ist. Die V-NISSG sperrt dort die Technik, nicht das Behandlungsziel. Wer ein Kombinationsgerät betreibt, prüft deshalb jede Energiequelle einzeln: Ein Hybridgerät erbt stets das Regime seiner strengsten Komponente.

Sanktionen

Was kostet ein Verstoß in der Schweiz?

Die Anwendung ohne Sachkundenachweis oder mit einem Gerät ohne gültige MepV-Konformität ist seit dem 1. Juni 2024 ein Offizialdelikt. Die Behörden verfolgen es von Amts wegen, ohne dass eine Anzeige nötig wäre.

In der Praxis bedeutet das unangekündigte Inspektionen, die Beschlagnahme des Geräts und ein Strafverfahren. Die kantonalen Apotheker:innen und Ärzt:innen haben dafür erweiterte Befugnisse, und das SECO wirkt bei der Marktüberwachung mit. Betroffen sind vor allem Quereinsteiger:innen mit günstigen Importgeräten ohne gültige CE-Konformität.

Gerät

Welche Geräte-Konformität verlangt die MepV?

Anhang 6 der MepV erklärt Geräte zur Fettgewebereduktion zu Medizinprodukten, auch wenn der Hersteller keine medizinische Zweckbestimmung angibt. Entscheidend ist die Wirkung auf das Gewebe, nicht die Bezeichnung als Kosmetikgerät. Die Schweiz folgt damit derselben Logik wie Anhang XVI der EU-MDR.

MepV-Anforderungen an das Kryolipolyse-Gerät
AnforderungWas verlangt wird
CE mit benannter StelleEin gültiges CE-Kennzeichen mit der vierstelligen Nummer einer benannten Stelle, damit das Gerät verkehrsfähig ist, in der Klinik ebenso wie im Studio
Nicht delegierbarDie Pflichten beim Inverkehrbringen trägt der Inverkehrbringer. Sie lassen sich vertraglich nicht auf die Betreiber:in abwälzen

Dieser zweite Punkt unterscheidet die Schweiz von den beiden Nachbarländern. Ein CE-Zeichen ohne vierstellige Nummer, etwa eine reine Herstellererklärung, genügt für die Kryolipolyse in der Schweiz nicht. Was die einzelnen Konformitätsebenen jeweils belegen und was nicht, ist unter Konformität und EU-MDR aufgeschlüsselt.

Verantwortung

Wer trägt die Verantwortung, KROND oder das Studio?

Die Schweiz ist der einzige der drei Märkte, in dem sich die Verantwortung nicht vollständig auf die Betreiber:in verschieben lässt. Die Betreiberpflichten trägt der Betrieb, die MepV-Gerätekonformität dagegen kann der Verkäufer nicht delegieren.

Aufteilung der Verantwortung zwischen KROND und dem Studio
BereichWer verantwortet ihn
GerätekonformitätKROND verantwortet die MepV-Konformität des Geräts, also das CE-Kennzeichen mit benannter Stelle. Diese Pflicht ist nicht delegierbar
SachkundenachweisDer Betrieb stellt den Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster der anwendenden Person sicher
Betrieb und AufklärungDer Betrieb beachtet die kantonalen Hygiene-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten sowie das PAH-Screening

Vor jeder Inbetriebnahme ist zu prüfen, ob die anwendende Person über den Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster verfügt und ob das Gerät MepV-konform ist.

FAQ

Häufige Fragen zur Kryolipolyse in der Schweiz

Die Fragen, die Studiobetreiber:innen vor dem Kauf am häufigsten stellen, kurz beantwortet.

  • Dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz Kryolipolyse anbieten?

    Ja, mit dem Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster und einem MepV-konformen Gerät. Beides muss zusammenkommen: Der Sachkundenachweis betrifft die anwendende Person, die MepV-Konformität das Gerät. Seit dem Ende der Übergangsfrist am 1. Juni 2024 ist die Anwendung ohne Sachkundenachweis illegal und strafbar.

  • Welchen Sachkundenachweis brauche ich für Kryolipolyse in der Schweiz?

    Den Sachkundenachweis Cellulite und Fettpolster. Die BAG-Vollzugshilfe zum 2. Abschnitt der V-NISSG in der Fassung August 2025 führt unter diesem Nachweis ausdrücklich Kryolipolyse auf, neben Lipolaser mit 1060 nm, Radiofrequenz, Niederfrequenz, Ultraschall und Stosswelle. Der Ausbildungspfad umfasst das Modul Grundlagen, das Modul Technologien und das berufsspezifische Kernfachmodul Cellulite und Fettpolster.

  • Welche Anforderungen stellt die MepV an das Kryolipolyse-Gerät?

    Anhang 6 der MepV erklärt Geräte zur Fettgewebereduktion zu Medizinprodukten, auch wenn der Hersteller keine medizinische Zweckbestimmung angibt. Das Gerät braucht deshalb ein gültiges CE-Kennzeichen mit der vierstelligen Nummer einer benannten Stelle, um verkehrsfähig zu sein, in der Klinik ebenso wie im Studio.

  • Wird ein ausländisches Zertifikat in der Schweiz anerkannt?

    Nein. Das BAG anerkennt weder ausländische Zertifikate noch EU-Laserschutzkurse noch Gerätelizenzen von Herstellern. Der Sachkundenachweis ist in der Schweiz zu erwerben. Inhaber:innen eines schweizerischen EFZ, FA oder HFP erhalten ein verkürztes Grundlagenmodul, die Praxismodule bleiben für alle vollständig verpflichtend.

  • Wo endet die kosmetische Kryolipolyse in der Schweiz?

    Bei der invasiven Fettreduktion. Chirurgische Liposuktion, Laser-Lipolyse mit einer ins Fettgewebe eingeführten Faser und die Injektions-Lipolyse mit Desoxycholsäure sind streng und ausschließlich Ärzt:innen vorbehalten. Die nicht-invasive Kryolipolyse über die intakte Haut bleibt mit dem Sachkundenachweis im Kosmetikbereich.

  • Was ist die paradoxe Adipozytenhyperplasie (PAH)?

    Die PAH ist eine seltene Nebenwirkung, bei der sich das behandelte Fettgewebe vergrößert statt zu schrumpfen. Neuere klinische Beobachtungen legen eine Inzidenz von etwa 1 zu 138 nahe; das ist eine klinische Beobachtung, keine kontrollierte Studie. Auf die PAH ist vor der Behandlung zu screenen, und sie ist aufklärungs- und einwilligungspflichtig.

Quellen

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand: September 2026. Zusammenfassung der internen KROND-Regulatorikanalyse für die Schweiz (NISSG und V-NISSG · MepV · BAG-Vollzugshilfe · kantonale Vollzugshilfen).

Die genannte PAH-Inzidenz von etwa 1 zu 138 stammt aus klinischer Beobachtung und nicht aus einer kontrollierten Studie.

Diese Seite dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die Vollzugshilfe der zuständigen kantonalen Behörde.

Die Einordnung der übrigen Verfahren und Länder zeigt Rechtssicherheit & Betreiberrecht.