Rechtssicherheit · Schweiz

HIFU in der Schweiz: Wer darf behandeln?

Die Schweiz reserviert HIFU absolut. Anhang 2 Ziffer 2.3 lit. a der V-NISSG nennt hoch fokussierten Ultraschall, und Art. 5 Abs. 2 zählt für Behandlungen dieser Kategorie nur zwei zulässige Wege auf: die Ärzt:in selbst und direkt unterwiesenes Praxispersonal. Der Sachkundepfad fehlt dort bewusst. Daraus folgt zwingend, dass kein Sachkundenachweis jemals eine Kosmetiker:in zu HIFU autorisiert.

Diese Seite ordnet das Verfahren für Betreiber:innen ein: den Rechtsrahmen, warum auch die Körperanwendung gesperrt ist, welcher kosmetische Ultraschall erlaubt bleibt, die Bedingungen einer Delegation und die Folgen eines Verstoßes.

Antwort

Dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz HIFU anbieten?

Nein, und zwar absolut. Anhang 2 Ziffer 2.3 lit. a der V-NISSG nennt hoch fokussierten Ultraschall, und Art. 5 Abs. 2 lässt für Behandlungen dieser Kategorie nur Ärzt:innen und direkt unterwiesenes Praxispersonal zu. Der Sachkundepfad ist dort bewusst nicht genannt, deshalb autorisiert kein Sachkundenachweis jemals eine Kosmetiker:in zu HIFU.

Betreiberrecht von HIFU in der Schweiz auf einen Blick
Wer darf behandelnÄrzt:innen, sowie direkt unterwiesenes Praxispersonal bei physischer Anwesenheit der Ärzt:in im selben Gebäude
Was dafür nötig istDie ärztliche Berufsausübungsbewilligung. Einen Zertifikatspfad gibt es für HIFU nicht, keines der sieben BKF-Zertifikate deckt es ab
Wo die Erlaubnis endetFür Kosmetikbetriebe sofort, für Gesicht und Körper gleichermaßen. Defokussierter kosmetischer Ultraschall unter 40 °C bleibt zulässig
Maßgebliches RechtV-NISSG Art. 5 Abs. 2 und Anhang 2 Ziffer 2.3 lit. a, kantonale Vollzugshilfen, SN EN IEC 60335-2-115 für die Abgrenzung

Die Einordnung ist im deutschsprachigen Raum einheitlich. Deutschland reserviert HIFU in § 9 Abs. 2 NiSV ebenso ausdrücklich, und in Österreich fehlt zwar eine eigene Norm, die Behandlung ist dort aber materiell ein operativer Eingriff und damit de facto Arztsache.

Rechtsrahmen

Unter welches Recht fällt HIFU in der Schweiz?

Unter die V-NISSG, und dort in die schärfste der drei Kategorien. Die Verordnung teilt die kosmetischen Anwendungen nach ihrem Risiko ein, und jede Behandlung ist genau einer Kategorie zuzuordnen.

Die drei Kategorien der V-NISSG und die Einordnung von HIFU
KategorieWer behandeln darf
Anhang 2 Ziffer 1, sachkundenachweispflichtigKosmetiker:innen mit dem passenden BKF-Zertifikat, etwa für Haarentfernung oder für Haut und Pigmentierung
Anhang 2 Ziffer 2, nur ärztlichHier liegt HIFU, benannt in Ziffer 2.3 lit. a als hoch fokussierter Ultraschall. Art. 5 Abs. 2 nennt nur Ärzt:innen nach Abs. 1 lit. a und direkt unterwiesenes Praxispersonal nach lit. b
Art. 6, generell verbotenDie Tattoo- und PMU-Entfernung mit IPL, ausnahmslos und für alle, auch für Ärzt:innen

Der entscheidende Punkt liegt im Wortlaut von Art. 5 Abs. 2. Für die Kategorie der Ziffer 2 zählt die Vorschrift nur die Buchstaben a und b auf. Der Sachkundepfad des Buchstaben c, der für die Kategorie der Ziffer 1 gilt, fehlt dort. Dieses Fehlen ist keine Lücke, sondern eine Entscheidung des Verordnungsgebers, und die kantonalen Vollzugshilfen bestätigen sie durchgehend, etwa Zürich im September 2024 in Kapitel 3.3 und Aargau im Januar 2025 in Kapitel 2.3, ebenso Basel-Stadt und Glarus.

Eine Klarstellung zur MepV gehört dazu: Anhang 6 der Medizinprodukteverordnung wirkt hier nicht als zusätzliche Sperre, denn er betrifft implantierbare und injizierbare Produkte. Die Schranke für HIFU ist allein die V-NISSG.

Sachkunde

Kann ein Sachkundenachweis HIFU jemals freigeben?

Nein. Das ist die folgenreichste Fehlannahme bei diesem Verfahren, weil das Schweizer System sonst über Zertifikate funktioniert und Betriebe deshalb erwarten, es müsse auch hier eines geben.

Von den sieben BKF-Zertifikaten deckt keines HIFU ab. Das Zertifikat Cellulite und Fettpolster führt zwar Radiofrequenz, Niederfrequenz, Ultraschall und Stosswelle als Technologien, aber es öffnet die Kategorie der Ziffer 2 nicht: Diese Kategorie ist über Art. 5 Abs. 2 unabhängig von jedem Zertifikat gesperrt. Auch das Zertifikat Haut und Pigmentierung hilft nicht weiter.

Ebenso wenig hilft ein Herstellerzertifikat. Gerätelizenzen von Herstellern werden vom Bundesamt für Gesundheit generell nicht anerkannt, und selbst wenn sie es würden, könnten sie eine gesetzliche Reservierung nicht aufheben.

Betreiberpflichten

Welche Pflichten gelten für die berechtigte Praxis?

Die Reservierung betrifft die Person. Unabhängig davon bestehen Pflichten für das Gerät, den Betrieb und die Aufnahme der Patient:in.

Pflichten für den HIFU-Betrieb in der Schweiz
PflichtWas verlangt wird
GerätCE-Kennzeichen mit der Nummer einer benannten Stelle nach MepV, mit Konformitätsunterlagen und Gebrauchsanweisung im Betrieb
GeräteeinstufungDie Abgrenzung zum erlaubten kosmetischen Ultraschall erfolgt über die Grenzwerte der SN EN IEC 60335-2-115, also maximale effektive Intensität, negativer Spitzenschalldruck und Bündelungsgleichförmigkeit
Kantonale VorgabenHygiene-, Bewilligungs- und Dokumentationsvorgaben nach den kantonalen Vollzugshilfen, die je Kanton abweichen
Anamnese und AufklärungVor der Behandlung sind Kontraindikationen auszuschließen und über Wirkung, Grenzen und Risiken einschließlich der Nervenschädigung aufzuklären, mit dokumentierter Einwilligung
DokumentationBehandlungsdokumentation mit Kartusche, Tiefe, Energie und Linienzahl je Zone. Gesundheitsdaten unterliegen dem DSG

Die Anamnese ist bei HIFU der Punkt, an dem sich die Sicherheit der Behandlung entscheidet, denn die Energie wird blind in eine Tiefe gesetzt, in der Nerven, Gefäße und Fremdmaterial liegen können. Abzufragen sind vor allem die Karenzfenster nach vorangegangenen Eingriffen, etwa vier bis acht Wochen nach Hyaluronsäure-Fillern, ein bis vier Wochen nach Botulinumtoxin und sechs bis zwölf Monate nach Fäden oder einer Operation im Feld, dazu permanente Filler und Implantate, die Schilddrüsenregion und der Verlauf des Gesichtsnervs. Der Fitzpatrick-Hauttyp spielt dagegen keine Rolle, weil HIFU nicht melaninbasiert arbeitet. Welche Fragen das im Einzelnen bedeutet, führt der Anamnesebogen zu HIFU Frage für Frage auf, jeweils mit der Angabe, ob die Antwort die Behandlung ausschließt, verschiebt oder nur das Protokoll ändert.

Grenze

Welcher Ultraschall bleibt Kosmetiker:innen erlaubt?

Der konventionelle, defokussierte und niederfrequente kosmetische Ultraschall, der unter 40 °C bleibt. Der Unterschied liegt nicht im Wort Ultraschall, sondern in der Fokussierung und in der erzeugten Temperatur.

Erlaubter und reservierter Ultraschall in der Schweiz
AnwendungRechtsfolge
Defokussierter kosmetischer Ultraschall unter 40 °CKosmetiker:innen weiterhin gestattet. Die Abgrenzung erfolgt über die Grenzwerte der SN EN IEC 60335-2-115
Hoch fokussierter Ultraschall im GesichtArztreserviert nach Anhang 2 Ziffer 2.3 lit. a. Grund sind die Koagulationspunkte bei 4,5 Millimetern in unmittelbarer Nähe von Ästen des Gesichts- und des Trigeminusnervs
Hoch fokussierter Ultraschall am KörperEbenfalls arztreserviert. Die Ziffer 2.3 lit. a verbietet die Technik unabhängig von Behandlungsziel und Eindringtiefe, hier schlägt die Technologie die Indikation

Der letzte Punkt überrascht viele Betriebe. Das Behandlungsziel Cellulite und Fettpolster ist mit dem entsprechenden Sachkundenachweis grundsätzlich zugänglich, und dieselbe Zeile der Vollzugshilfe nennt Radiofrequenz, Niederfrequenz und Ultraschall. Das öffnet aber nur die Kategorie der Ziffer 1. Sobald die Technik hoch fokussierter Ultraschall ist, greift Ziffer 2.3 lit. a und schließt den Weg wieder.

Delegation

Darf eine Ärztin die Behandlung an Praxispersonal delegieren?

Ja, aber unter Bedingungen, die in der Schweiz besonders eng gefasst sind. Die Ärzt:in muss die volle medizinische, zivil- und strafrechtliche Verantwortung tragen und für die Akutintervention physisch im selben Gebäude anwesend sein, etwa bei Anaphylaxie, schwerer Verbrennung, Gefäßverschluss oder plötzlicher Erblindung.

Eine Fernüberwachung per Telefon, E-Mail, Messenger oder Video ist rechtlich unzureichend, ebenso die bloße Erreichbarkeit oder eine Fahrt von wenigen Minuten. Eine selbstständige Einmieterin, die einen Raum in einer Arztpraxis mietet, ist von der Delegationsklausel nicht gedeckt: Sie bleibt Kosmetiker:in und muss alle Kosmetikregeln ungeschützt erfüllen, wozu bei HIFU eben das Verbot gehört. Erforderlich ist ein direktes Arbeitsverhältnis.

Sanktionen

Was kostet ein Verstoß in der Schweiz?

Seit dem 1. Juni 2024, dem Ende der fünfjährigen Übergangsfrist, ist die Behandlung ohne die erforderliche Berechtigung ein Offizialdelikt. Die Behörden ermitteln von Amts wegen, es braucht keine Anzeige einer geschädigten Person. Möglich sind unangekündigte Inspektionen, die Beschlagnahme des Geräts und ein Strafverfahren.

Der zweite Aufgriffspunkt liegt beim Gerät. Ein Import ohne gültige CE-Konformität nach MepV ist unabhängig von der Qualifikation der anwendenden Person nicht betriebsfähig. Kommt es zu einer Nervenschädigung, dem zentralen Risiko dieses Verfahrens, treten Schadenersatzforderungen hinzu, die keine Berufshaftpflicht für den unbefugten Betrieb deckt.

Verantwortung

Wer trägt die Verantwortung, KROND oder die Praxis?

Die Prüfung der eigenen Berechtigung und die Beachtung der kantonalen Vorgaben liegen in der alleinigen Verantwortung der Käufer:in beziehungsweise Betreiber:in. KROND liefert das Gerät, die rechtskonforme Anwendung obliegt der Praxis.

Aufteilung der Verantwortung zwischen KROND und der Praxis
BereichWer verantwortet ihn
GerätKROND liefert das Gerät mit CE-Kennzeichen, der Nummer einer benannten Stelle und den Konformitätsunterlagen
BerechtigungDie Praxis stellt sicher, dass die Behandlung von einer Ärzt:in durchgeführt wird
DelegationDie Praxis verantwortet die physische Anwesenheit der Ärzt:in im selben Gebäude und das direkte Arbeitsverhältnis des delegierten Personals
Kantonale PflichtenDie Praxis beachtet die Hygiene-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten ihres Kantons

Weil das Gerät in der Schweiz ausschließlich im ärztlichen Kanal einsetzbar ist, klärt KROND vor dem Vertragsabschluss, wer behandeln wird. Ein Vertriebsmodell mit ferngesteuerter oder videobasierter Geräteanweisung scheidet hier ausdrücklich aus.

FAQ

Häufige Fragen zu HIFU in der Schweiz

Die Fragen, die Betreiber:innen vor dem Kauf am häufigsten stellen, kurz beantwortet.

  • Dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz HIFU anbieten?

    Nein, und zwar absolut. Anhang 2 Ziffer 2.3 lit. a der V-NISSG nennt hoch fokussierten Ultraschall, und Art. 5 Abs. 2 lässt für Behandlungen dieser Kategorie nur Ärzt:innen und direkt unterwiesenes Praxispersonal zu. Der Sachkundepfad ist dort bewusst nicht genannt, deshalb autorisiert kein Sachkundenachweis jemals eine Kosmetiker:in zu HIFU.

  • Kann ich mit einem Sachkundenachweis HIFU in der Schweiz anbieten?

    Nein. Die V-NISSG unterscheidet drei Kategorien, und HIFU liegt in der zweiten. Art. 5 Abs. 2 zählt für sie nur zwei zulässige Wege auf, die ärztliche Behandlung und das direkt unterwiesene Praxispersonal. Der in Art. 5 Abs. 1 lit. c genannte Sachkundepfad fehlt dort, und dieses Fehlen ist bewusst gesetzt, nicht versehentlich.

  • Gilt das Verbot auch für Body-HIFU zur Fettreduktion?

    Ja. Obwohl Cellulite und Fettpolster als Behandlungsziel mit dem entsprechenden Sachkundenachweis grundsätzlich zugänglich sind, verbietet Anhang 2 Ziffer 2.3 lit. a die Technik des hoch fokussierten Ultraschalls unabhängig von Behandlungsziel und Eindringtiefe. Bei HIFU schlägt die Technologie die Indikation.

  • Welcher kosmetische Ultraschall bleibt in der Schweiz erlaubt?

    Konventioneller defokussierter und niederfrequenter kosmetischer Ultraschall, der unter 40 °C bleibt. Die Abgrenzung erfolgt über die Grenzwerte der Norm SN EN IEC 60335-2-115 zur maximalen effektiven Intensität, zum negativen Spitzenschalldruck und zur Bündelungsgleichförmigkeit. Der Unterschied liegt nicht im Wort Ultraschall, sondern in Fokussierung und Temperatur.

  • Darf eine Ärztin HIFU an Praxispersonal delegieren?

    Nur unter engen Bedingungen. Die Ärzt:in muss die volle medizinische, zivil- und strafrechtliche Verantwortung tragen und für die Akutintervention physisch im selben Gebäude anwesend sein. Eine Fernüberwachung per Telefon, Video oder Messenger ist rechtlich unzureichend, ebenso die bloße Erreichbarkeit. Eine selbstständige Einmieterin in einer Arztpraxis ist von der Delegationsklausel nicht gedeckt.

  • Was kostet ein Verstoß beim HIFU-Betrieb in der Schweiz?

    Seit dem 1. Juni 2024 ist die Behandlung ohne die erforderliche Berechtigung ein Offizialdelikt: die Behörden ermitteln von Amts wegen, ohne Anzeige. Möglich sind unangekündigte Inspektionen, die Beschlagnahme des Geräts und ein Strafverfahren. Bei einer Nervenschädigung kommen Schadenersatzforderungen hinzu, die keine Berufshaftpflicht für den unbefugten Betrieb deckt.

Quellen

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand: September 2026. Zusammenfassung der internen KROND-Regulatorikanalyse für die Schweiz (V-NISSG Art. 5 Abs. 2 und Anhang 2 Ziffer 2.3 lit. a · kantonale Vollzugshilfen Zürich September 2024 Kapitel 3.3, Aargau Januar 2025 Kapitel 2.3, Basel-Stadt und Glarus · SN EN IEC 60335-2-115).

Diese Seite dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die Auskunft der zuständigen kantonalen Vollzugsstelle.

Die Einordnung der übrigen Verfahren und Länder zeigt Rechtssicherheit & Betreiberrecht.