Rechtssicherheit · Österreich

Aquafacial in Österreich: Wer darf behandeln?

Das Aquafacial ist eine Plattform mit neun Modulen, die Aqua-Dermabrasion mit energetischen Anwendungen verbindet. In Österreich liegt sie einschließlich ihrer energetischen Module im Kern des Kosmetikgewerbes nach § 94 Z 42 GewO 1994. Anders als Deutschland mit der NiSV und die Schweiz mit der V-NISSG kennt Österreich kein eigenes Strahlenschutzrecht: weder ein gesondertes Teilgewerbe noch eine kommissionelle Prüfung sind nötig, und einen Arztvorbehalt gibt es nicht.

Diese Seite ordnet das Verfahren für Betreiber:innen ein: den Rechtsrahmen, die Qualifikation, die Pflichten im laufenden Betrieb, die Grenze zum ÄsthOpG und die Folgen eines Verstoßes.

Antwort

Dürfen Kosmetiker:innen in Österreich Aquafacial anbieten?

Ja, eigenständig und für alle Module der Plattform. Aquafacial liegt in Österreich im Kern des Kosmetikgewerbes nach § 94 Z 42 GewO 1994. Die reguläre Gewerbeberechtigung Kosmetik genügt, ein Arzt und ein gesondertes Teilgewerbe sind nicht nötig.

Betreiberrecht des Aquafacial in Österreich auf einen Blick
Wer darf behandelnGewerbetreibende im Kosmetikgewerbe, eigenständig und für alle Module
Was dafür nötig istReguläre Gewerbeberechtigung Kosmetik, kein Zusatznachweis für Radiofrequenz, Ultraschall oder Mikrostrom
Wo die Erlaubnis endetMitteltiefe und tiefe Peelings, invasive Eingriffe nach dem ÄsthOpG, Behandlung Minderjähriger unter den dortigen Schranken
Maßgebliches RechtGewO 1994 § 94 Z 42, Ausübungsregeln BGBl. II Nr. 262/2008, ÄsthOpG

Österreich ist damit von den drei DACH-Ländern das liberalste für dieses Verfahren. In Deutschland sind dieselben energetischen Module NiSV-pflichtig und verlangen einen Fachkundenachweis, in der Schweiz greift für die Kombination mit Lichttherapie der Sachkundenachweis.

Rechtsrahmen

Unter welches Recht fällt Aquafacial in Österreich?

Österreich zieht die Grenze zwischen Schönheitspflege und Medizin über das Gewerberecht, nicht über den Strahlenschutz. Kosmetik ist ein reglementiertes Gewerbe nach § 94 Z 42 GewO 1994; die Wirtschaftskammer erlässt die Praxis- und Hygieneregeln. Die oberflächliche Reinigung, Exfoliation und Pflege der Gesichtshaut ist eine Kerntätigkeit dieses Gewerbes.

Der entscheidende Unterschied zur Laser-Haarentfernung liegt in der Energieform. Die Haarentfernung ist als eigenes Teilgewerbe mit kommissioneller Prüfung und Arbeitsprobe ausgestaltet, weil sie optische Strahlung einsetzt. Das Aquafacial nutzt keine optische Strahlung. Seine energetischen Module mit Radiofrequenz, Ultraschall und Mikrostrom gelten in Österreich als apparative kosmetische Anwendungen innerhalb des Kosmetikgewerbes und lösen weder das Teilgewerbe Haarentfernung noch einen gesonderten Strahlenschutznachweis aus.

Die zweite Rechtssäule ist das ärztliche Monopol aus § 2 Abs. 2 ÄrzteG 1998, konkretisiert durch das ÄsthOpG. Dieses tritt nach § 1 Abs. 3 zurück, sobald die Gewerbeordnung anwendbar ist. Für das Aquafacial ist die Grenze deshalb nicht in den Modulen zu suchen, sondern in der Konzentration der eingesetzten Säuren und in der Eingriffstiefe.

Qualifikation

Welche Qualifikation brauchen Kosmetiker:innen in Österreich?

Qualifikationsanforderungen für das Aquafacial in Österreich
AnforderungWas verlangt wird
GewerbeberechtigungDie reguläre Gewerbeberechtigung Kosmetik, über den Befähigungsnachweis Kosmetik, die Meisterprüfung oder eine gleichgestellte Qualifikation
Kein ZusatznachweisKein gesonderter Befähigungsnachweis über die Kosmetik-Basis hinaus: keine Laserausbildung über 100 Unterrichtseinheiten, keine Arbeitsprobe, kein Gegenstück zur NiSV oder V-NISSG für Radiofrequenz, Ultraschall und Mikrostrom
GeräteschulungRechtlich nicht vorgeschrieben, fachlich empfohlen. Sie ist zugleich der Nachweis der Sorgfalt, wenn es zu einem Schadensfall kommt
Umfang der BerechtigungIst eine bestehende Berechtigung eng gefasst, etwa auf die Haarentfernung eingeschränkt, gibt die Wirtschaftskammer zum konkreten Gewerbeumfang verbindliche Auskunft

Dieser letzte Punkt ist der in der Praxis häufigste Stolperstein: Ein auf die Haarentfernung eingeschränktes Teilgewerbe trägt das Aquafacial nicht. Wer aus der Laser-Haarentfernung heraus erweitern will, klärt die Berechtigung deshalb vor dem Kauf.

Betreiberpflichten

Welche Pflichten gelten im laufenden Betrieb?

Die Gewerbeberechtigung erlaubt die Behandlung, sie ersetzt aber keine der laufenden Pflichten. Vier Bereiche sind verbindlich.

Betreiberpflichten für den Aquafacial-Betrieb in Österreich
PflichtWas verlangt wird
HygieneDie Ausübungsregeln nach BGBl. II Nr. 262/2008 verlangen fachgerechte Desinfektion, Einweg-Behandlungsspitzen für hautwirksame Arbeiten und die vorschriftsmäßige Entsorgung
Anamnese und AufklärungVor der ersten Sitzung sind Kontraindikationen auszuschließen und über Wirkung, Grenzen und Risiken aufzuklären, mit dokumentierter Einwilligung
DokumentationBehandlungsdokumentation mit Hautzustand, verwendeten Seren und Besonderheiten. Gesundheitsdaten unterliegen der DSGVO
NachsorgeHinweis auf die vorübergehende Lichtempfindlichkeit nach dem Peeling: Lichtschutzfaktor 50 für ein bis zwei Tage, kein intensiver Sport und keine Sauna für 24 Stunden

Auch wo keine gesetzliche Pflicht zur Anamnese besteht, ist sie der Punkt, an dem sich die Rechtslage im Alltag entscheidet: Sie hält fest, ob eine Kontraindikation vorliegt und ob ein Termin zu verschieben ist. Welche Fragen dafür nötig sind, von Isotretinoin in den letzten sechs Monaten über Schwangerschaft und Stillzeit, aktive Infekte wie Herpes, Sonnenbrand und akute Rosazea bis zu bekannten Säure- und Inhaltsstoff-Allergien, führt der Anamnesebogen zum Aquafacial Frage für Frage auf, jeweils mit der Angabe, ob die Antwort die Behandlung ausschließt, verschiebt oder nur das Protokoll ändert.

Grenze

Wo liegt die Grenze zum ÄsthOpG und zum Arztvorbehalt?

Aquafacial bleibt mit seinem oberflächlichen Säurepeeling aus milder Glykol- oder Salicylsäure im Kosmetikgewerbe. Drei Konstellationen gehen darüber hinaus.

Wo das Aquafacial in Österreich in den ärztlichen Bereich übergeht
ÜbergangWas darunter fällt
Mitteltiefe und tiefe PeelingsHochkonzentrierte Säuren, die über die oberflächlichen Hautschichten hinaus wirken
Invasive EingriffeAlle operativen, die Hautbarriere durchbrechenden Handlungen nach dem ÄsthOpG
MinderjährigeDas ÄsthOpG enthält für bestimmte ästhetische Behandlungen Alters- und Aufklärungsschranken, die im Zweifel zu beachten sind

Wer ein Kombinationsgerät mit austauschbaren Säurelösungen betreibt, dokumentiert die eingesetzte Konzentration, denn sie ist im Zweifel der entscheidende Nachweis dafür, dass die Behandlung im Gewerbe geblieben ist.

Sanktionen

Was kostet ein Verstoß in Österreich?

Wer ohne passende Gewerbeberechtigung behandelt, übt das Gewerbe unbefugt aus. Das ist ein Verwaltungsstraftatbestand nach § 366 GewO 1994. Hinzu kommen Unterlassungs- und Schadenersatzklagen von Mitbewerbern nach dem UWG, in der Praxis der häufigere Aufgriff.

Betroffen sind vor allem eng gefasste Berechtigungen. Ein auf die Haarentfernung eingeschränktes Teilgewerbe deckt das Aquafacial nicht, und wer ein Gerät an einen Betrieb ohne passende Berechtigung verkauft, bewegt sich rechtlich ebenfalls auf unsicherem Grund. KROND erfragt die Berechtigung deshalb vor dem Vertragsabschluss.

Verantwortung

Wer trägt die Verantwortung, KROND oder das Studio?

Die korrekte gewerberechtliche Einordnung liegt in der alleinigen Verantwortung der Käufer:in beziehungsweise Betreiber:in. KROND liefert das Gerät, die rechtskonforme Einordnung und Anwendung obliegt dem Studio.

Aufteilung der Verantwortung zwischen KROND und dem Studio
BereichWer verantwortet ihn
GerätKROND liefert das CE-konforme Gerät mit Datenblatt
GewerbeberechtigungDas Studio stellt die Gewerbeberechtigung Kosmetik im erforderlichen Umfang sicher
Hygiene und DokumentationDas Studio beachtet die Hygiene- und Dokumentationspflichten
Abgrenzung zur MedizinDas Studio verantwortet die Abgrenzung zu medizinischen Behandlungen nach ÄsthOpG und Arztvorbehalt

Bei eng gefassten oder auf die Haarentfernung beschränkten Berechtigungen ist vor der Inbetriebnahme eine Auskunft der Wirtschaftskammer zum Gewerbeumfang empfehlenswert.

FAQ

Häufige Fragen zu Aquafacial in Österreich

Die Fragen, die Studiobetreiber:innen vor dem Kauf am häufigsten stellen, kurz beantwortet.

  • Dürfen Kosmetiker:innen in Österreich Aquafacial anbieten?

    Ja, eigenständig und für alle Module der Plattform. Aquafacial liegt in Österreich im Kern des Kosmetikgewerbes nach § 94 Z 42 GewO 1994. Die reguläre Gewerbeberechtigung Kosmetik genügt, ein Arzt und ein gesondertes Teilgewerbe sind nicht nötig.

  • Brauche ich in Österreich für Radiofrequenz, Ultraschall und Mikrostrom einen Zusatznachweis?

    Nein. Anders als Deutschland mit der NiSV und die Schweiz mit der V-NISSG kennt Österreich kein eigenes Strahlenschutz-Pendant. Radiofrequenz, Ultraschall und Mikrostrom gelten als apparative kosmetische Anwendungen innerhalb des Kosmetikgewerbes und erfordern keinen gesonderten Befähigungsnachweis über die Kosmetik-Basis hinaus. Eine fachgerechte Geräteschulung wird dennoch empfohlen.

  • Warum ist Aquafacial in Österreich kein Teilgewerbe wie die Haarentfernung?

    Weil das Teilgewerbe Haarentfernung an den Einsatz optischer Strahlung anknüpft, also an Laser und IPL. Aquafacial nutzt keine optische Strahlung. Seine energetischen Module arbeiten mit Radiofrequenz, Ultraschall und Mikrostrom und lösen daher weder das Teilgewerbe Haarentfernung noch einen gesonderten Strahlenschutznachweis aus.

  • Welche Betreiberpflichten gelten für Aquafacial in Österreich?

    Die Ausübungsregeln nach BGBl. II Nr. 262/2008 verlangen fachgerechte Desinfektion, Einweg-Behandlungsspitzen für hautwirksame Arbeiten und die vorschriftsmäßige Entsorgung. Hinzu kommen Anamnese, Aufklärung und Einwilligung vor der ersten Sitzung, eine Behandlungsdokumentation nach DSGVO sowie der Nachsorgehinweis auf die vorübergehende Lichtempfindlichkeit.

  • Wo liegt beim Aquafacial die Grenze zum ÄsthOpG und zum Arztvorbehalt?

    Aquafacial bleibt mit seinem oberflächlichen Säurepeeling aus milder Glykol- oder Salicylsäure im Kosmetikgewerbe. Über das ÄsthOpG und den Arztvorbehalt hinaus gehen mitteltiefe und tiefe Peelings sowie invasive, die Hautbarriere durchbrechende Eingriffe. Das ÄsthOpG enthält zudem Alters- und Aufklärungsschranken für Minderjährige.

  • Was kostet ein Verstoß beim Aquafacial in Österreich?

    Wer ohne passende Gewerbeberechtigung behandelt, übt das Gewerbe unbefugt aus. Das ist ein Verwaltungsstraftatbestand nach § 366 GewO 1994, hinzu kommen Unterlassungs- und Schadenersatzklagen von Mitbewerbern nach dem UWG. Besonders betroffen sind eng gefasste Berechtigungen, etwa ein auf die Haarentfernung eingeschränktes Teilgewerbe, das Aquafacial nicht deckt.

Quellen

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand: September 2026. Zusammenfassung der internen KROND-Regulatorikanalyse für Österreich (GewO 1994 § 94 Z 42 · Ausübungsregeln · ÄsthOpG).

Diese Seite dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die Auskunft der zuständigen Wirtschaftskammer zum konkreten Gewerbeumfang.

Die Einordnung der übrigen Verfahren und Länder zeigt Rechtssicherheit & Betreiberrecht.