Rechtssicherheit · Schweiz

Tattoo- und PMU-Entfernung in der Schweiz: Wer darf behandeln?

Die Schweiz geht bei diesem Verfahren einen eigenen Weg, und sie trennt dabei nicht nach Beruf, sondern nach Technologie. Die Entfernung mit IPL ist nach Art. 6 V-NISSG ausnahmslos verboten, auch für Ärzt:innen. Die Entfernung mit einem Q-switched-Laser dagegen dürfen Kosmetiker:innen durchführen, mit dem Sachkundenachweis Permanent-Make-up und Tattoo. Das ist die auffälligste Abweichung im deutschsprachigen Raum.

Diese Seite ordnet das Verfahren für Betreiber:innen ein: den Rechtsrahmen, den Sachkundenachweis, die Pflichten im laufenden Betrieb, die Grenzen bei Naevi und Augennähe und die Folgen eines Verstoßes.

Antwort

Dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz Tattoos entfernen?

Ja, aber nur mit einem Q-switched-Laser und nur mit dem Sachkundenachweis Permanent-Make-up und Tattoo. Mit IPL ist die Entfernung nach Art. 6 V-NISSG ausnahmslos verboten, auch für Ärzt:innen. Ausgenommen bleiben die Augenlider und die Zone bis zehn Millimeter zum Auge.

Betreiberrecht der Tattoo- und PMU-Entfernung in der Schweiz auf einen Blick
Wer darf behandelnKosmetiker:innen mit dem SN Permanent-Make-up und Tattoo, eigenständig und ohne Arzt, sowie Ärzt:innen
Was dafür nötig istModul Grundlagen, Modul Technologien und das BKF-Zertifikat Permanent-Make-up und Tattoo, dazu ein nach MepV verkehrsfähiges Gerät
Wo die Erlaubnis endetBei IPL, das nach Art. 6 für alle verboten ist, an den Augenlidern und innerhalb von zehn Millimetern zum Auge sowie bei pigmentierten Läsionen und melanozytären Naevi
Maßgebliches RechtV-NISSG Art. 5, Art. 6 und Anhang 2, MepV (SR 812.213), kantonale Vollzugshilfen

Damit ist die Schweiz bei diesem Verfahren das einzige der drei Länder, das den Kosmetikkanal überhaupt öffnet. In Deutschland ist die Tattooentfernung arztvorbehalten und nach verbreiteter Auffassung nicht einmal delegierbar, in Österreich bewerten die Gesetzesmaterialien sie als operativen Eingriff und damit als ärztliche Tätigkeit.

Rechtsrahmen

Warum ist die IPL-Tattooentfernung für alle verboten?

Weil die V-NISSG drei Kategorien kennt und die IPL-Tattooentfernung in der dritten liegt. Diese dritte Kategorie ist die einzige, in der es überhaupt keinen zulässigen Personenkreis gibt, und sie umfasst nur wenige Anwendungen.

Die drei Kategorien der V-NISSG und die Einordnung der Tattooentfernung
KategorieBedeutung für die Tattooentfernung
SachkundenachweispflichtigAnhang 2 Ziffer 1: Hier liegt die Entfernung mit Q-switched-Lasern. Kosmetiker:innen dürfen behandeln, sobald sie das BKF-Zertifikat Permanent-Make-up und Tattoo halten
Nur ärztlichAnhang 2 Ziffer 2: die dort gelisteten Diagnosen sowie ablative Laser und hoch fokussierter Ultraschall. Für sie ist der Sachkundepfad nach Art. 5 Abs. 2 bewusst nicht vorgesehen
Generell verbotenArt. 6: die Tattoo- und PMU-Entfernung mit IPL, ausnahmslos und für alle, auch für Ärzt:innen

Der Grund für das generelle Verbot liegt in der Physik. IPL sendet ein breites Lichtspektrum über vergleichsweise lange Impulse, geeignet für die Photothermolyse eines Haarfollikels. Die Pigmentzertrümmerung braucht dagegen extrem kurze Impulse im Nanosekunden- oder Pikosekundenbereich. Wird IPL dennoch auf ein Tattoo gerichtet, erhitzt sich das Gewebe flächig, und das Ergebnis ist eher eine Verbrennung als eine Aufhellung. Der Verordnungsgeber hat daraus die Konsequenz gezogen, die Anwendung nicht zu regulieren, sondern zu untersagen.

Sachkunde

Welcher Sachkundenachweis gilt für die Tattooentfernung?

Das BKF-Zertifikat Permanent-Make-up und Tattoo. Es ist eines von sieben behandlungsspezifischen Zertifikaten und wird wie die anderen auf den beiden gemeinsamen Grundmodulen aufgebaut.

Aufbau des Sachkundenachweises für die Tattooentfernung in der Schweiz
StufeInhalt
Modul GrundlagenAnatomie von Haut, Follikel, Gefäß und Nagel, Pathophysiologie und dermatologische Basisdiagnostik, also die Unterscheidung gutartiger von bösartigen Läsionen und die rechtzeitige Überweisung
Modul TechnologienGeräte- und Laserphysik: Wellenlängen, Chromophorabsorption, Laserklassen nach SN EN 60825-1, IPL-Risikogruppen nach SN EN 62471 und optischer Strahlenschutz
BKF Permanent-Make-up und TattooDie Entfernung kosmetischer und dekorativer Tätowierungen mit Q-switched-Lasern, ausgenommen die Augenlider und die Zone innerhalb von zehn Millimetern zum Auge
AnrechnungEin Schweizer EFZ, eine FA oder eine HFP verkürzen die Grundlagen. Die BKF-Praxismodule bleiben für alle vollständig verpflichtend

Ein Punkt wird beim Einkauf regelmäßig übersehen: Ausländische Zertifikate, EU-Laserschutzkurse und Gerätelizenzen von Herstellern werden vom Bundesamt für Gesundheit nicht anerkannt. Gerade bei diesem Verfahren, das in den Nachbarländern ärztlich ist, hilft eine dort erworbene Schulung in der Schweiz nicht weiter.

Betreiberpflichten

Welche Pflichten gelten im laufenden Betrieb?

Der Sachkundenachweis betrifft die Person. Unabhängig davon bestehen Pflichten für das Gerät, den Arbeitsschutz und die Aufnahme der Kund:in.

Betreiberpflichten für die Tattooentfernung in der Schweiz
PflichtWas verlangt wird
GerätCE-Kennzeichen mit der Nummer einer benannten Stelle nach MepV, mit Konformitätsunterlagen und Gebrauchsanweisung im Betrieb
LaserschutzKennzeichnung nach Laserklasse gemäß SN EN 60825-1, Schutzbrillen für alle im Raum, Zugangskontrolle und Absaugung des entstehenden Rauchs
Kantonale VorgabenHygiene-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten nach den kantonalen Vollzugshilfen, die je Kanton abweichen
AufklärungVor der Behandlung über die realistische Zahl der Sitzungen, mögliche Restschatten, Pigmentverschiebungen und Narbenrisiko, mit dokumentierter Einwilligung
DokumentationBehandlungsdokumentation mit Wellenlänge, Impulsdauer, Energie und Areal, dazu eine Fotodokumentation des Verlaufs. Gesundheitsdaten unterliegen dem DSG

Die Anamnese ist bei diesem Verfahren aus einem eigenen Grund wichtig: Sie muss klären, was im Feld liegt und was der Körper mit den Pigmentfragmenten anfangen soll. Abzufragen sind deshalb unter anderem bekannte Allergien und frühere Reaktionen auf das Tattoo selbst, Isotretinoin in den letzten sechs Monaten, Keloidneigung, Immunsuppression, eine Erkrankung des Lymphsystems, der aktuelle Bräunungsgrad sowie Muttermale im Motiv oder daneben, denn diese sind auch mit Zertifikat ausgeschlossen. Für die Tattoo- und PMU-Entfernung führt KROND keinen eigenen Anamnesebogen, weil dieses Verfahren in Deutschland und Österreich nicht im Kosmetikgewerbe liegt und deshalb nicht Teil der Bogenreihe für Studios ist. Wer in der Schweiz mit dem entsprechenden Zertifikat arbeitet, erstellt die Aufnahme nach den Vorgaben der eigenen Prüfungsstelle und des Kantons.

Grenze

Welche Grenzen gelten auch mit dem Sachkundenachweis?

Drei, und sie sind bei diesem Verfahren enger gefasst als bei der Haarentfernung, weil das Behandlungsfeld regelmäßig größer und unübersichtlicher ist.

Grenzen der Tattooentfernung in der Schweiz
GrenzeRechtsfolge
Augenlider und Zone bis zehn Millimeter zum AugeVom Zertifikat ausdrücklich ausgenommen und Kosmetiker:innen untersagt. Das betrifft in der Praxis vor allem den Lidstrich beim Permanent-Make-up
Pigmentierte Läsionen und melanozytäre NaeviKosmetiker:innen dürfen sie nicht lasern und auch kein Motiv über ihnen behandeln. Der Grund ist die Gefahr eines Pseudomelanoms, das eine spätere Diagnose verschleiert
Diagnosen nach Anhang 2 Ziffer 2.1Arztreserviert, auch mit Zertifikat. Dazu zählen unter anderem Keloide, Melasma, Psoriasis, Ekzeme, Vitiligo und Angiome über 3 Millimeter

Die zweite Grenze hat eine praktische Folge, die vor der ersten Sitzung zu klären ist: Liegt ein Muttermal im Motiv, wird diese Stelle ausgespart und ärztlich abgeklärt, während die übrige Fläche regulär behandelt werden kann. Das Motiv wird dadurch nicht vollständig entfernbar, und darauf ist die Kund:in vorab hinzuweisen.

Vergleich

Ist die Schweiz liberaler als Deutschland und Österreich?

Für die Laserentfernung ja, für die IPL-Entfernung nein. Das ist keine Nuance, sondern eine echte Umkehrung, und sie ist beim grenzüberschreitenden Arbeiten der wichtigste Punkt dieser Seite.

Die Tattooentfernung im Vergleich der drei Länder
LandQ-switched-LaserIPL
SchweizKosmetiker:innen mit dem SN Permanent-Make-up und TattooFür alle verboten, auch für Ärzt:innen, nach Art. 6 V-NISSG
DeutschlandArztvorbehalt, nach verbreiteter Auffassung nicht delegierbarEbenfalls arztvorbehalten, und fachlich ungeeignet
ÖsterreichÄrztliche Tätigkeit, weil die Gesetzesmaterialien sie als operativen Eingriff bewertenEbenfalls ärztlich, und fachlich ungeeignet

Für einen Betrieb mit Standorten beiderseits der Grenze heißt das: Ein in der Schweiz erworbenes BKF-Zertifikat trägt dort die Behandlung, öffnet aber in Deutschland und in Österreich gar nichts. Umgekehrt hilft eine deutsche oder österreichische Schulung in der Schweiz nicht, weil das Bundesamt für Gesundheit ausländische Zertifikate nicht anerkennt.

Sanktionen

Was kostet ein Verstoß in der Schweiz?

Seit dem 1. Juni 2024, dem Ende der fünfjährigen Übergangsfrist, ist die Behandlung ohne den erforderlichen Sachkundenachweis ein Offizialdelikt. Die Behörden ermitteln von Amts wegen, es braucht keine Anzeige einer geschädigten Person. Möglich sind unangekündigte Inspektionen, die Beschlagnahme des Geräts und ein Strafverfahren.

Eine Behandlung entgegen dem generellen Verbot des Art. 6 wiegt dabei schwerer als eine bloß fehlende Sachkunde, denn hier fehlt nicht ein Nachweis, sondern die Anwendung ist als solche untersagt. Der zweite Aufgriffspunkt liegt beim Gerät: Ein Import ohne gültige CE-Konformität nach MepV ist unabhängig von der Qualifikation der anwendenden Person nicht betriebsfähig.

Verantwortung

Wer trägt die Verantwortung, KROND oder das Studio?

Die Prüfung der eigenen Berechtigung und die Beachtung der kantonalen Vorgaben liegen in der alleinigen Verantwortung der Käufer:in beziehungsweise Betreiber:in. KROND liefert das Gerät, die rechtskonforme Anwendung obliegt dem Studio.

Aufteilung der Verantwortung zwischen KROND und dem Studio
BereichWer verantwortet ihn
GerätKROND liefert das Gerät mit CE-Kennzeichen, der Nummer einer benannten Stelle und den Konformitätsunterlagen
PositionierungKROND führt seine IPL-Systeme ausdrücklich als Geräte zur Haarentfernung und Photorejuvenation, nicht zur Tattooentfernung, die mit IPL in der Schweiz ausnahmslos verboten ist
SachkundenachweisDas Studio hält den SN Permanent-Make-up und Tattoo der anwendenden Person vor
AbgrenzungDas Studio verantwortet die Grenzen bei Naevi, Augennähe und arztreservierten Diagnosen

Besteht Unklarheit über die lokale Vollzugspraxis, ist die zuständige kantonale Stelle vor der Inbetriebnahme zu konsultieren. Ihre Auskunft geht jeder allgemeinen Darstellung vor.

FAQ

Häufige Fragen zur Tattoo- und PMU-Entfernung in der Schweiz

Die Fragen, die Studiobetreiber:innen vor dem Kauf am häufigsten stellen, kurz beantwortet.

  • Dürfen Kosmetiker:innen in der Schweiz Tattoos entfernen?

    Ja, aber nur mit einem Q-switched-Laser und nur mit dem Sachkundenachweis Permanent-Make-up und Tattoo. Mit IPL ist die Entfernung nach Art. 6 V-NISSG ausnahmslos verboten, auch für Ärzt:innen. Ausgenommen bleiben die Augenlider und die Zone bis zehn Millimeter zum Auge.

  • Warum ist die IPL-Tattooentfernung in der Schweiz für alle verboten?

    Weil Art. 6 V-NISSG sie in die dritte Kategorie der Verordnung einordnet, die generellen Verbote. Anders als bei den arztreservierten Behandlungen nach Anhang 2 Ziffer 2 gibt es hier keinen Personenkreis, für den die Anwendung zulässig wäre. Das Verbot gilt für Kosmetiker:innen und für Ärzt:innen gleichermaßen.

  • Welcher Sachkundenachweis gilt für die Tattooentfernung?

    Das BKF-Zertifikat Permanent-Make-up und Tattoo, aufbauend auf dem Modul Grundlagen und dem Modul Technologien. Es deckt die Entfernung kosmetischer und dekorativer Tätowierungen mit Q-switched-Lasern ab, ausgenommen die Augenlider und die Zone innerhalb von zehn Millimetern zum Auge.

  • Ist die Schweiz damit liberaler als Deutschland und Österreich?

    Für die Laserentfernung ja, für die IPL-Entfernung nein. Deutschland und Österreich behalten die Laser-Tattooentfernung Ärzt:innen vor, die Schweiz öffnet sie über ein eigenes Zertifikat. Umgekehrt verbietet nur die Schweiz die IPL-Entfernung ausnahmslos, während sie anderswo als ärztliche Anwendung behandelt wird.

  • Welche Grenzen gelten auch mit dem Sachkundenachweis?

    Drei. Die Augenlider und die Zone bis zehn Millimeter zum Auge bleiben ärztlich. Pigmentierte Läsionen und melanozytäre Naevi dürfen Kosmetiker:innen nicht lasern, weil ein Pseudomelanom die spätere Diagnose verschleiern kann. Und die Diagnosen nach Anhang 2 Ziffer 2.1 der V-NISSG bleiben auch mit Zertifikat arztreserviert.

  • Was kostet ein Verstoß bei der Tattooentfernung in der Schweiz?

    Seit dem 1. Juni 2024 ist die Behandlung ohne den erforderlichen Sachkundenachweis ein Offizialdelikt: die Behörden ermitteln von Amts wegen, ohne Anzeige. Möglich sind unangekündigte Inspektionen, die Beschlagnahme des Geräts und ein Strafverfahren. Eine Behandlung entgegen dem generellen Verbot des Art. 6 wiegt dabei schwerer als eine fehlende Sachkunde.

Quellen

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand: September 2026. Zusammenfassung der internen KROND-Regulatorikanalyse für die Schweiz (V-NISSG Art. 5, Art. 6 und Anhang 2 · MepV · kantonale Vollzugshilfen · SN EN 60825-1 und SN EN 62471).

Diese Seite dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die Auskunft der zuständigen kantonalen Vollzugsstelle.

Die Einordnung der übrigen Verfahren und Länder zeigt Rechtssicherheit & Betreiberrecht.